Bericht von M. Schmid
" Slackline

Bericht mit freundlicher Genehmigung von Michael Schmid

 

Slackline

Es geht um dieses komische Gefühl des Entrückt-sein-von-der-Welt. Alles um Dich herum verblasst ein bisschen. Da ist nur noch die Line, da bist du und da ist die gemeinsame Schwingung. Du stehst da, die Augen auf einen fixen Punkt gerichtet, voll konzentriert und ruhig, obwohl der Körper ständig auf die unnatürlichste Weise zuckt, um die Schwingungen der Line auszugleichen. Du musst dich anstrengen, du schwitzt und spürst Muskeln, von denen Du nie angenommen hättest, dass es sie überhaupt gibt. Es gilt, die Körpermitte, deinen Schwerpunkt zu finden und ihn immer über der Schnur zu halten. 'Dein Nabel ist dein Zentrum', wurde mir gesagt. Klingt komisch, aber irgendwie stimmt die Metapher auch. Daher rührt auch der meditative Charakter des Slacklinens - der wiederum Grund dafür ist, dass Kletterer sich an Ruhetagen oder zwischen schweren Touren gerne auf die Schnur begeben. Zum Koordinations-Training.

 

 

Seiltanz

Seiltanz? Nein, Slacklining nennt sich das Ganze. Hat ein wenig mit Seiltanz zu tun, ist aber doch irgendwie anders. Stellst du das erste Mal deinen Fuß auf die Line, wackelt Dein Knie, wie es noch nie zuvor gewackelt hat. Aufsteigen unmöglich. Sofern Dich dein Ehrgeiz nicht gleich im Stich lässt, dauert es nur noch ein paar Stunden bis Du den ersten Schritt schaffst. Einige unkontrollierte Abgänge inklusive.

Style

Erfunden wurde das ganze ja von Kletterern. Im Yosemite Valley - einem Mekka des Freikletterns - spazierte ein gewisser Scott Balcom mit Freunden über Absperrketten am Campingplatz. So zumindest klingt der Gründungsmythos. Egal, es geht mehr um das coole Gefühl, wie beim Skateboarden oder Ähnlichem, wenn eine Aktion einfach geschmeidig aussieht, in Wirklichkeit aber sehr schwer ist und mit vielen Stürzen erarbeitet wurde.

Highline

Mit der Coolness ist es schnell wieder vorbei, wenn man den Schritt auf die sogenannte Highline wagt. Die Lines werden dabei in Höhen bis zu 1000m Meter über Schluchten, Brücken, Flüsse und zwischen Hochhäusern gespannt. Die Akteure sind dabei mit Sitzgurt gesichert. Ohne Materialvertrauen geht da gar nichts. Und mit Angst vor dem Sturz auch nicht. "Im ersten Augenblick hab' ich mir gedacht, nein, das geht nicht. Ich hör' gleich wieder damit auf", beschreibt Robert das Gefühl auf der Highline. "Das ist wie wenn du ganz neu mit dem Slacklinen anfängst, ich hab' gezittert wie am Anfang."
Highlines sollte man aber besser den Profis überlassen. Das Spannsystem und vor allem die nötigen Sicherheitsvorkehrungen sind relativ kompliziert.

Eines ist klar: Abgefahren sieht's immer aus, dieses Slacklinen, so ruhig und unruhig zugleich, manchmal ästhetisch und geschmeidig, mal eher holprig und unbeholfen. Aber immer aufregend.

Text und Bilder von  michael.schmid@orf.at

 

 

 
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